Antiquariat Bernard Richter, Baden-Baden, Germany







17./18. April 1744 | 18./19. April 1744 | 19./20.April

Mir war, als mühten wir uns lange damit ab, eine Kiste mit kostbarem Inhalt in das Haus zu schaffen. Das dauerte fast so lange wie die Belagerung von Troja. Endlich gelang es, sie von unten her zu bewegen, man trug sie hinein und sägte und sägte. Bedeutet, wie sehr man sich mühen muß, um den Himmel zu gewinnen.

Träumte, ich trüge eine schlichte Uhr bei mir, hätte aber zu Hause eine äußerst kostbare Uhr, die ich mit keiner Golduhr tauschen möchte. Bedeutet, daß ich wertvolle Erkenntnisse erlangen werde und meine Zeit darauf verwenden soll, sie zu gewinnen.

Mit war, als würde ich ganz in strata lamellata eingehüllt, die auf verschiedene Weise um mich gewickelt wurden und plötzlich kam .... betyder at jag bewaras widare, at blifwa vti retta fine.

Ein dunkelbraunerHund lief anhänglich neben mir her. Wenn irgendein Tier kam, reckte er sich. Er lief in jedes Wasser, um die Tiefe auszuprobieren. Bedeutet vielleicht das Hündchen des Tobias.

Ich sah ein seltsames dunkelbraunes Tier in einem Fenster. Es hatte irgendetwas auf dem Rücken, das wurde ihm abgenommen und verwandelte sich in ein Taschentuch. Ich sah dem Tier nach, konnte ihm kaum mit dem Blick folgen und konnte es keinem anderen zeigen. Es lief in eine Apotheke. Ich fragte, ob ich es schießen sollte. Scheint zu bedeuten, daß ich auf Dinge verwiesen werden soll, die meiner Besserung dienen.

Ich empfing die Gewißheit, es würde mir gesagt oder zu verstehen gegeben werden, wenn ich auf dem falschen Weg wäre.

Ich sah König und Professor Winbom kommen. Ich sollte mit ihnen zusamenleben, alltags mit König, von dem man sagte, daß er kein Christ sei, und sonntags mit Winbom.

An diesem Tag war mein Geist etwas unruhig. Meine Gedanken flatterten gegen meinen Willen hin und her, und ich konnte sie nicht im Zaum halten. War im Gottesdienst und spürte, daß die Glaubensfragen über Christus, sein Verdienst und ähnliche Tatsache diese Unruhe verursachten. Solche Fragen lassen Zweifel aufkommen, gegen die man sich nicht wehren kann, wenn man mit seinem Verstand und nicht als Gnade des Herrn den Glauben sucht. Endlich wurde mir die Gnade des Geistes verliehen, daß ich bedingungslosen Glauben empfing und Gewißheit erlangte. Da ich nun sah, wie meine Gedanken jetzt von mir beherrscht wurden, lächelte ich im Geiste über meine Fragen und noch mehr über meine Zweifel. Der Glaube schien mir weit über das Denken und Verstehen erhaben. So kam ich zum Frieden. Gott bewahre mich in ihm, denn alles ist sein Werk. Nichts ist mein Werk, denn selbst meine besten Gedanken zerstören mir mehr als sie mir gewinnen. Hat man aber Gnade, so lächelt man über sich selbst, wenn man ungläubige Gedanken hat oder wenn man den Glauben mit dem Verstand beweisen will. Darum ist es höher, vielleicht das Höchste, wenn der Mensch die Gnade empfängt. Wohl duldet der Herr bei gewissen Menschen, daß bei ihnen verstandesmäßige Vergewisserungen dem Glauben vorausgehen, selig aber sind die, die nicht sehen und doch glauben. Dies habe ich deutlich im prologo {der Vorrede zu Regnum animale} in den Paragraphen 21 bis 22 geschrieben und kann es doch nicht in mir gefunden und aus mir genommen haben, sondern Gottes Gnade hat unbewußt in mir gewirkt, wie ich nachher wohl auch an der Bewegung meines Innern fühlte. Denn alles ist Gnade und Wirkung Gottes, dem ewig Ehre sei! Ich erkenne aber hieraus, wie schwer es die Gelehrten gegenüber den Ungelehrten haben, über ihr Denken hinaus zu diesem vollen Glauben zu gelangen, in dem sie über sich selber und ihr Denken lächeln. Denn zuerst muß die Anbetung des eigenen Verstandes vertrieben und vertilgt werden. Das aber ist Gottes Wirkung und nicht Werk des Menschen. Auch ist es Gottes Werk, wenn man in diesem Zustand verharrt. Der Glaube ist also von unerem Verstand getrennt und steht über ihm. Dies ist der reine Glaube, der andere, der mit dem Verstand vermischte Glaube, ist unrein. Man muß seinen Verstand unter den Gehorsam des Glaubens beugen. Man muß glauben, weil Gott, der die Wahrheit selber ist, sich uns offenbart hat. Man muß einsehen, daß wir sein müssen wie Kinder. Vieles von dem, was ich geträumt habe, stimmt damit überein. So jener Traum, da viele Köpfe gebraten und in den Ofen geworfen wurden. Das war der Herd der Bösen. Daß die Verstandesbeweise den Glauben schädigen, sieht man daraus, daß der Verstand nur bis zu Wahrscheinlichkeiten gelangt, und Beweise die Eigenschaft haben, stärker oder schwächer, aber nie gewiß zu sein. Denn die Betätigungen unseres Verstandes sind immer Zweifeln unterworfen und verdunkeln so das Licht des Glaubens. Aber der Glaube ist Gottes Gabe, die man nur empfängt, wenn man nach Gottes Befehlen lebt und ihn inständig darum bittet.